Jan. 042012
 
A_stack_of_newspapers (author: Daniel R. Blume, licensed under cc-by-sa-2.0) Daniel R. Blume CC BY-NC-SA

Ich mußte ja noch schmunzeln, als die ersten Gerüchte über den Geerkens-Kredit aufkamen – daß Politiker gelegentlich von ihren ‘Freunden’ bevorzugt behandelt werden, ist schließlich so alt wie die Welt.

Auch kann man sie deshalb nicht einmal grundsätzlich verurteilen; zu fließend sind die Grenzen – zwischen den kleinen Bestechungen, die in engen sozialen Gemeinschaften nun einmal üblich sind, und echter Vorteilsnahme mit Aussicht des Gebers auf spätere Gefälligkeiten. Jeder Amtsinhaber muß hier eine schwierige Gratwanderung vollführen.

Gut, von einem Bundespräsidenten erwartet man ein besonderes Maß an Integrität. Man möge sich aber auch daran erinnern, wie der Kandidat Christian Wulff seinen Wahlkampf für dieses höchste Amt im Staat führte: indem er sich für die stetige Erhöhung der Abgeordneten-Diäten aussprach.

Letzten Endes ist die Geschichte um den Geerkens-Kredit eine kleine Sache; rückhaltlose Aufklärung vorausgesetzt, müßte Wulff deshalb nicht zurücktreten.

Auf einem ganz anderen Blatt steht aber die versuchte Einflußnahme auf die Medien. Man möge vom Axel-Springer-Verlag im Allgemeinen und der Bildzeitung insbesondere halten, was man will – es kann nicht angehen, daß ein Amtsträger versucht, einen unangenehmen Bericht über sich selbst zu unterdrücken.

Jeder möge die Integrität und auch die Kompetenz von Christian Wulff selbst anhand der Tatsache bewerten, daß er den Anruf beim Chef der Bildzeitung nicht nur tätigte, sondern seine Tiraden auch noch freiwillig auf dessen Anrufbeantworter sprach. Daß er nebenbei anscheinend auch noch die Beherrschung verlor und sich in Drohungen und Wutäußerungen erging, ist nur das i-Tüpfelchen auf der ganzen Geschichte.

Tatsache ist: hier handelt es sich nicht mehr um ein Kavaliers-Delikt, sondern um eine Verletzung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Ein Mann, der sich eines solchen Verstoßes schuldig gemacht hat, kann nicht Bundespräsident sein.

Christian Wulff kann jetzt nur noch eines tun: er muß es seinem Vorgänger gleich tun und das Amt zur Verfügung stellen, damit es nicht irreparabel geschädigt wird. Er selbst hat es nie ausgefüllt.

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Nov. 192011
 
A_stack_of_newspapers (author: Daniel R. Blume, licensed under cc-by-sa-2.0) Daniel R. Blume CC BY-NC-SA

“Der datenschutzrechtlichen Problematik ist sich Wright bewusst – er vertritt aber die Auffassung, dass die jüngere Generation damit keine großen Schwierigkeiten hat.”

via Hivemind: Will Wright will mit Spielern spielen statt mit Sims – Golem.de.

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Nov. 152011
 
Nuclear Power Plant - Grohnde - Germany (author: Heinz-Josef Lücking, licensed under cc-by-sa 3.0 de share-alike) Heinz-Josef Lücking CC BY-SA

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/eon190.html

Wozu eigentlich ein Atomgesetz?
Warum zwingen wir nicht statt dessen einfach die AKW-Betreiber, ihre Kraftwerke gegen mögliche Risiken zu  versichern?  Wenn man sich den Erwartungswert ansieht, werden die monatlichen Prämien so bei 99 999 998,99 € liegen…

Okt. 302011
 
A_stack_of_newspapers (author: Daniel R. Blume, licensed under cc-by-sa-2.0) Daniel R. Blume CC BY-NC-SA

So, nach ein paar Stunden Arbeit ist mein Blog jetzt mehr-, oder besser gesagt zweisprachig. Natürlich habe ich mir nicht die Mühe gemacht, sämtliche Beiträge und Seiten zu übersetzen. Da wäre ich wohl eine Woche beschäftigt. Aber immerhin ist das Blog jetzt – von ein paar Ausreißern abgesehen – nicht mehr gemischt Deutsch und Englisch, sondern je nach Auswahl nur noch eines von beiden.

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Okt. 292011
 

Codex Copiale

Kryptographie: Informatiker entschlüsseln 250 Jahre alte Geheimschrift – Golem.de.

Das ist natürlich nicht so seltsam, wie es sich anhört – schließlich war die Öffnung des Körpers im Mittelalter streng verboten. Trotzdem reizt es zum Schmunzeln, wenn sich in einer so genial verschlüsselten Schrift ‘Geheimnisse’ finden, die aus heutiger Sichtweise vermutlich eher profan wirken. Man wartet gespannt auf die Veröffentlichung des entschlüsselten Textes…

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Sep. 222011
 

Sieg der Piraten ist in Wahrheit ein Sieg der FDP – Tagesspiegel

Wir haben – für uns völlig überraschend – ein gestiegenes Bedürfnis nach “Bürgerrechten” festgestellt. Wir wissen zwar nicht so genau, was das eigentlich ist, können uns aber vage erinnern, das die FDP sowas mal im Wahlprogramm hatte. Deshalb werden  die Leute jetzt wieder die FDP wählen und nicht diese Emporkömmlinge mit dem komischen Namen.  Schließlich ist unsere FDP ja eine *richtige* Partei, die lässt sich bei einem so populären Thema nicht die Butter vom Brot nehmen… also ein Sieg! Auf ganzer Linie!

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Aug. 132011
 

Krawalle in Großbritannien – Cameron will Randalierern staatliche Hilfen streichen – Politik – sueddeutsche.de.

Lieber Herr Cameron,

Die Stelle des psychologischen Beraters in Ihrem Stab scheint zur Zeit frei zu sein. Ich bin zwar eigentlich Software-Entwickler und hatte Psychologie nur als Nebenfach, aber ich bin sicher, daß Ihnen selbst meine rudimentären Kenntnisse der Lernpsychologie von großem Nutzen sein könnten. Speziell zum Thema der Wirksamkeit von negativer Verstärkung (das Fachwort für Bestrafung) könnte ich Ihnen einige wertvolle Hinweise geben. Auch der Zweig ‘Entwicklungspsychologie’ könnte hilfreich für Ihre zukünftige Regierung sein – lehrt er doch, daß Kinder in geordneten, liebevollen Verhältnissen aufwachsen sollten, um sich später nicht aggressiv gegenüber ihren Mitmenschen zu verhalten. Eine gute Grundversorgung würde dabei ebenso helfen.

Bitte verstehen Sie, daß ich Ihnen nicht alle Tips gleichzeitig an dieser Stelle geben kann – dies würde den Umfang dieses Bewerbungsschreibens in unerwünschter Weise aufblähen und würde außerdem meinen Marktwert schwächen.

In Hoffung auf eine gute Zusammenarbeit,
Ihr F.S.

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Juli 302011
 

Die Anschläge von Oslo haben 76 Tote gefordert. Was ist passiert? Ein Geistesgestörter, stark beeinflußt von rechtspopulistischem bzw. -radikalem Gedankengut, hat auf einem Bauernhof irgendwo in Norwegen Bomben gebaut und diese im Regierungsviertel von Oslo gezündet. Danach fuhr er zu der Insel Utöya und ermordete dort 68 Teilnehmer eines Jugendcamps der solzialistischen Arbeiterpartei.

Utøya_2 Paal Sørensen 2011 CC BY-SA

Während die norwegische Regierung trotz des landesweiten Schocks mit Besonnenheit auf die Anschläge reagiert, werden hierzulande schon wieder Rufe nach verschärfter Sicherheit laut. Insbesondere die Vorratsdatenspeicherung wird als Allheilmittel gegen terroristische Anschläge aller Couleur gepriesen, was schlicht und einfach Blödsinn ist: jeder mit einem Minimum an Fachkenntnis kann sich sehr schnell ausrechnen, warum solch ein Instrument bestenfalls bei der Aufklärung, niemals aber bei der Verhinderung von Anschlägen helfen kann.

Das Gleiche gilt für die Rasterfahndung. Angenommen, eine totale Überwachung jedweden Gedankenguts, das im Internet veröffentlicht bzw. per email, SMS oder der guten alten Snail-Mail versendet wird, wäre möglich: wer bitte soll hier entscheiden, was von einem echten Terroristen stammt und was von einem Jugendlichen, der mal probiert, wieviel Aufmerksamkeit er erregen kann? Mal davon abgesehen: die meisten Terroristen sind schlau genug, *zuerst* ihre Anschläge zu begehen und sich *danach* dazu zu bekennen.

Tatsache ist: Man kann Anschläge nicht verhindern, genau so wenig, wie man verhindern kann, im Münchner Westpark Opfer eines Raubüberfalls zu werden. Die Polizei und die zugehörigen staatlichen Instrumente sind dafür da, einen bestimmten *Grad* an Sicherheit zu gewährleisten. Raubüberfälle im Münchner Westpark sind tatsächlich ziemlich unwahrscheinlich, ebenso wie ein Mann, der in ein Jugendcamp fährt und dort gezielt Leute erschießt. Dennoch kann beides geschehen, und es gibt dagegen keinen hundertprozentigen Schutz.

Auch in Zukunft werden Menschen bei Verkehrsunfällen sterben, Krebs bekommen oder Opfer von Raubüberfällen sein. Auch in Zukunft kann ein Geistesgestörter Sprengstoff aus Dünger und Waschmittel zusammenmixen, sich eine Knarre besorgen und damit Leute erschießen.

Tragische Vorfälle wie die Anschläge von Oslo vermitteln ein Gefühl der Hilflosigkeit und, daraus resultierend, Angst. Ein unangenehmes Gefühl, eines, das die Lebensqualität stark mindert. Man will es loswerden. Man will etwas tun, um keine Angst mehr haben zu müssen.

Das Tragische am menschlichen Dasein ist, daß sich die Angst meistens schon mindert, wenn man
irgendetwas tut – durch puren Aktionismus. Dieses ‘Wir tun was’-Gefühl hilft meistens in etwa bis zur nächsten Katastrophe. Wirklich verhindern können wir damit aber nichts.

Ich möchte damit nicht ausdrücken, daß man klare Defizite in Sachen Sicherheit nicht beseitigen sollte. Im Fall B. hat es solche Defizite aber schlicht und einfach nicht gegeben, und deshalb läßt sich auch nichts Grundlegendes verbessern. Die schmerzhafte Botschaft dieses Blogeintrags ist deshalb: die Angst, welche die Anschläge von Oslo und Utöya in uns hervorgerufen haben, kann nicht durch Verbesserung unserer Sicherheit gemindert werden. Natürlich: wir könnten aufhören, unsere Kinder in Jugendcamps zu schicken. Wir könnten jede größere Veranstaltung durch eine Hundertschaft an Polizisten mit Maschinenpistole bewachen lassen. Aber – von der Frage unserer persönlichen Freiheit mal ganz abgesehen – erreichen werden wir damit nicht viel, außer vielleicht einem persönlichen Gefühl des ‘Wir tun was.’. Letzten Ende bleibt gegen die Angst nur das, was Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten getan haben: auch, wenn an jedem Tag ein neues Unglück geschehen kann, man muß seine Angst beherrschen und sein Leben trotzdem weiterleben.

Juni 222011
 

Tja, da sieht man mal wieder, wie schnell einen neue Entwicklungen überrollen und liebgewonnene Wahrheiten plötzlich falsch sind.

Der Dienst encipher.it verschlüsselt tatsächlich nicht (wie von mir zunächst angenommen) auf dem Server des Anbieters (was bedeuten würde, daß man den zu verschlüsselnden Text im Klartext an diesen sendet). Das angebotene Bookmarklet lädt nämlich tatsächlich eine JavaScript-basierte Implementierung der Algorithmen AES und SHA-1 in den Browser herunter, der sie dann direkt ausführt.

Hiermit nehme ich also meine etwas voreilige Bewertung zurück. Eines möchte ich bezüglich der Sicherheit des Dienstes aber noch zu bedenken geben: im Gegensatz zu einer normalen ‘offline’-Cryptolösung werden die Bibliotheken von encipher.it bei jedem Einsatz neu vom Server des Anbieters geladen. Man muß diesem also durchaus ein gewisses Maß an Vertrauen entgegenbringen. Dieser Nachteil wird allerdings durch die Tatsache aufgehoben, daß die .js-Dateien im Klartext vorliegen und damit jederzeit von jedem kontrolliert werden können.

Vielen Dank an Andi Heilemann für seinen Korrekturhinweis!

 Posted by at 7:42