Dez 292009
 

Gerade scheint das Thema ‘Terror’ etwas abzuflauen, passiert es: ein islamistischer Attentäter wird auf einem Flug nach Detroit von Passagieren und Flugbegleitern überwältigt, als er einen Zweikomponenten-Sprengstoff zu zünden versucht, dessen Bestandteile er am Körper mit sich herumträgt.

Schnell wird wieder der Ruf laut nach mehr Sicherheit im Flugverkehr. Wie konnte der Sprengstoff durch die Kontrollen in Amsterdam gelangen? Hätte man ihn mit besserer Ausrüstung entdecken können?

This image is a work of a United States Department of Homeland Security employee, taken or made during the course of an employee's official duties. As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain (17 U.S.C. § 101 and 105).

Aufnahme eines Körperscanners (es handelt sich nach Definition der dt. Politik um eine Strichzeichnung, nicht um Pornographie)

Wie zufällig hat die Polizei schon das entsprechende Werkzeug im Köfferchen: Nacktscanner müssen her. Wer’s nicht weiß: ein Körper- oder Nacktscanner ist ein mit geringer Intensität arbeitendes Röntgengerät, dessen Strahlung nicht die Haut durchdringt sondern davon – und von den Gegenständen am Körper – reflektiert wird (s. Artikel auf Wikipedia). Diese Strahlung ist angeblich unschädlich für den Menschen. Gilt das auch für Vielreisende? “Ja”, sagen Hersteller und Polizei.

Die zweite Frage: wie fühlen sich die Passagiere, vor allem die Frauen, die sich in den Scanner begeben, um sich nackt auf dem Bildschirm eines Zollbeamten zu zeigen? Wie fühlen sich die Zollbeamten, die acht Stunden am Tag diese Peepshow über sich ergehen lassen?

Die deutsche Politik reagierte in den letzten Tagen mit einer breiten Front der Ablehnung (Artikel auf heise online). Plötzlich aber bröckelt der Wiederstand. Die Privatsphäre der gescannten Personen ließe sich schon irgendwie gewährleisten, hört man da (wie genau eigentlich?). Zu der Frage, ob Nacktscanner tatsächlich einen Sicherheitsgewinn bedeuten, ertönt ein klares ‘vielleicht’:

Mit einem der umstrittenen “Nacktscanner” wäre der Detroit-Attentäter nach Ansicht niederländischer Experten vermutlich erwischt worden. Zumindest hätte es eine größere Chance gegeben, den am Körper des Mannes versteckten Sprengstoff zu entdecken, erklärte der Betriebsdirektor des Amsterdamer Airports Schiphol, Ad Rutten, nach Angaben der Zeitung de Volkskrant (Zitat von sueddeutsche.de).

Zumindest hätte es eine größere Chance gegeben… es hätte zweifellos auch eine größere Chance gegeben, wenn der Attentäter bereits beim Check-in abgewiesen worden wäre. Denn: es handelt sich keineswegs um einen Unbekannten, sondern um einen bekannten Islamisten, der auf der Liste potentieller Terroristen steht und dessen eigener Vater die amerikanischen Behörden zuvor eindringlich vor seinem Sohn warnte.

Hier die Frage: werden die existierenden Sicherheitsvorkehrungen überhaupt ausreichend genutzt? Oder dienen sie nur dazu, den europäischen Staaten Bankverbindungsdaten abzupressen (Stichwort SWIFT)?

Zurück zu den Nacktscannern: warum schmilzt der Widerstand, der  in den letzten Tagen noch so deutlich war, plötzlich dahin? Warum sind sie auf einmal ‘vermutlich’ von Nutzen? Liegt es daran, daß im Keller des deutschen Bundestages mehrere dieser Geräte vor sich hinstauben? Liegt es daran, daß die deutsche Polizei diese Geräte schon länger ohne Wissen der Politik testet und so überhaupt nicht erbaut ist über diese plötzliche Publicity? Oder ist der Grund intensive Lobbyarbeit seitens der Hersteller?

Ohne irgendwelchen Verschwörungstheorien anheimfallen oder Nahrung geben zu wollen, möchte ich an dieser Stelle die Frage stellen: wer profitiert am meisten von der Situation?

Tatsächlich mehr Sicherheit versprechen diese Geräte nämlich nicht. Auch wenn das Pulver am Bein des Attentäters oder die kleine Spritze mit der zweiten Komponente dadurch ‘vielleicht’ entdeckt worden wäre, gilt doch der Grundsatz, daß Terroristen von den existierenden Sicherheitsmaßnahmen selten überrascht werden. Kurz gesagt: gäbe es Nacktscanner, hätte der Nigerianer den Sprengstoff ohne weiteres an einem anderen Ort verstecken können – selbst mir als Laie ist bekannt, daß die Kontrolleure am Flughafen gewöhnlich nicht den Dickdarm der Passagiere durchsuchen (auch Nacktscanner sehen da nicht hinein).

Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, daß es keine vollständige Sicherheit gibt. Was aber existiert, ist die reale Gefahr, schon bald in einem Land zu leben, in dem aus Angst vor dem Terror niemand mehr Geheimnisse hat.

  2 Responses to “Peepshow für den Zoll”

  1. Nachdem in Europa bisher vor allem Züge und U-Bahnen Ziel von Terroranschlägen waren, lenken solche Maßnahmen doch nur davon ab, dass es wirklich nicht möglich ist “weiche Ziele” zu schützen.

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